Kurzbeschreibung

Concept Maps sind visuelle Wissenslandkarten, bei denen Konzepte als Knoten und deren Beziehungen als beschriftete Verbindungslinien dargestellt werden. Die Methode geht auf Joseph D. Novak und Alberto J. Canas zurück und basiert auf der Assimilationstheorie des Lernens nach David Ausubel. Concept Maps dienen der Wissensstrukturierung, der Diagnose von Vorwissen und der Förderung vernetzten Denkens. Sie machen die individuelle Wissensorganisation sichtbar und regen zur aktiven Auseinandersetzung mit Zusammenhängen an.

Ausführliche Beschreibung

Ziel und Zweck

Das Konstruieren von Concept Maps verfolgt das Ziel, Wissensstrukturen explizit und sichtbar zu machen. Studierende werden dazu angeregt, nicht nur einzelne Fakten zu memorieren, sondern die Beziehungen zwischen Konzepten zu durchdenken und sprachlich zu benennen. Dies fördert bedeutungsvolles Lernen (meaningful learning) im Sinne Ausubels, das sich vom mechanischen Auswendiglernen (rote learning) grundlegend unterscheidet. Concept Maps können diagnostisch eingesetzt werden, um Vorwissen zu erheben und Fehlkonzepte zu identifizieren. Zudem eignen sie sich als Strukturierungshilfe bei der Erarbeitung komplexer Themenfelder und als Grundlage für Diskussionen.

Ablauf und Durchführung

Die Erstellung einer Concept Map folgt typischerweise diesen Schritten:

  1. Fokus-Frage definieren: Eine leitende Fragestellung gibt der Concept Map eine Richtung und begrenzt den inhaltlichen Rahmen (z. B. “Wie hängen Kraft, Masse und Beschleunigung zusammen?”).
  2. Konzepte identifizieren: Studierende sammeln die zentralen Begriffe (Konzepte) zum Thema. Diese werden typischerweise in Kästchen oder Ellipsen notiert.
  3. Hierarchie aufbauen: Die Konzepte werden hierarchisch angeordnet — allgemeine, übergeordnete Konzepte stehen oben, spezifischere darunter.
  4. Verbindungen herstellen: Zwischen den Konzepten werden Linien gezogen und mit Verben oder kurzen Phrasen beschriftet (sogenannte Propositionen), die die Art der Beziehung benennen (z. B. “besteht aus”, “beeinflusst”, “ist ein Beispiel für”).
  5. Querverbindungen ergänzen: Besonders wertvolle Einsichten entstehen durch Querverbindungen (cross-links), die Beziehungen zwischen verschiedenen Bereichen der Map aufzeigen.
  6. Überarbeitung: Concept Maps sind iterative Produkte. Mehrfaches Überarbeiten vertieft das Verständnis.

Die Erstellung kann analog (Papier, Moderationskarten) oder digital (CmapTools, MindMeister, Miro) erfolgen. In der Lehrveranstaltung kann die Methode als Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit eingesetzt werden.

Vorteile

  • Macht individuelle Wissensstrukturen sichtbar und damit besprechbar.
  • Fördert vernetztes Denken und das Erkennen von Zusammenhängen über Themengrenzen hinweg.
  • Eignet sich sowohl zur Diagnose (Was wissen Studierende bereits?) als auch zur Evaluation (Was haben sie gelernt?).
  • Unterstützt Elaboration und Organisation als zentrale Lernstrategien.
  • Kann in nahezu jeder Disziplin und bei jedem Thema eingesetzt werden.
  • Bietet einen produktiven Gesprächsanlass, wenn Studierende ihre Maps vergleichen und diskutieren.

Herausforderungen

  • Die Methode erfordert eine Einführung und Übung, da Studierende die Technik des Verknüpfens und Beschriftens von Relationen erst erlernen müssen.
  • Die Bewertung von Concept Maps ist anspruchsvoll, da es keine eindeutig “richtige” Map gibt. Bewertungskriterien (z. B. nach Novak & Gowin: Hierarchieebenen, Querverbindungen, Beispiele) müssen vorab kommuniziert werden.
  • Bei zu komplexen Themen können Maps unübersichtlich werden. Eine klare Fokus-Frage und eine Begrenzung der Konzeptanzahl helfen.
  • Studierende neigen anfangs dazu, lineare Listen statt vernetzte Strukturen zu erstellen. Hier ist gezielte Anleitung erforderlich.
  • Der Zeitaufwand für die Erstellung hochwertiger Maps wird häufig unterschätzt.

Bezug zur Hochschullehre

Concept Maps haben sich in der hochschuldidaktischen Forschung als wirksames Werkzeug zur Förderung tiefenorientierten Lernens bewährt (Nesbit & Adesope, 2006). In der Ingenieurausbildung eignen sie sich besonders gut, um komplexe technische Systeme, Wirkzusammenhänge oder Theoriegebäude zu visualisieren. Sie können als Advance Organizer zu Beginn einer Lehrveranstaltungsreihe eingesetzt werden, als begleitendes Lernwerkzeug zur schrittweisen Erweiterung oder als summatives Assessment am Ende einer Lerneinheit. Die Kombination von Concept Mapping mit kooperativen Lernformen (z. B. gemeinsames Erstellen in Kleingruppen mit anschließender Diskussion im Plenum) verstärkt die Lernwirkung. Digitale Tools ermöglichen zudem kollaboratives Arbeiten auch in asynchronen Settings.

Siehe auch